Was ist die Zukunft von Access?

Access wird von Microsoft nicht mehr extensiv beworben – was ist der Grund?

Der erste Grund mag wohl sein, dass Access konzipiert ist als eine lokale All-In-One-Lösung, während Datenbanken, und überhaupt Datenerhebung, sich zu einer sehr häufig webbasierten Form wandelte. Nicht zuletzt deshalb, weil sich der Besitz von Daten, ihre Anpassung, Umformung und Nutzung, als eines der lukrativsten Geschäftsmodelle für Softwarefirmen überhaupt herausstellte – man denke nur an die weltgrößten Firmen, die heutzutage sehr oft aus dem Softwarebereich kommen und riesige Rechnerfarmen betreiben, auf denen Kundendaten gelagert werden.

Ein weiterer Grund mag sein, dass der der volle Vorteil von Access erst durch das Programmieren einer Anwendung entsteht – ein insgesamt komplizierter Prozess der auch eine Menge Erfahrung erfordert. Hingegen entsteht durch die sofort einsatzbereite Software der (Trug-)schluss, bei der Software handele es sich um ein Leichtgewicht, das durch jedermann sofort bedienbar ist. Ähnlich Excel, das auch bei nur minimalen Kenntnissen bereits eindrucksvolle Nützlichkeit zeigt. Die heutige Convenience-Mentalität, die oft in der Weisheit besteht, sich „zu tiefsinnige“ zeitraubende Tätigkeiten vom Leib zu halten, findet viele Anhänger – die allfällige Umkehr steht bevor.

Totgesagte leben länger

Zu beiden möglichen Gründen hier eine kurze Stellungnahme.

Zum ersten – die großen Softwarefirmen möchten die Daten ihrer Kunden gern ins Internet ziehen, und dadurch unentbehrlich werden bei der Verarbeitung und Nutzung von deren Daten. Einer ersten scheinbaren Unkompliziertheit und Leistungsfülle folgen dann oft später Ernüchterung und Frustration, wenn etwa Kunden nicht an ihre Daten herankommen, wenn die Daten nicht entsprechend den Wünschen der Kunden verarbeitet werden können, wenn Zweifel an der Verwendung und Sicherheit der Daten entstehen, etc.. Und das oft nach Monaten der Dateneingabe, Mitarbeiterschulung etc..

Insofern könnte der „Nachteil“ von Access, eine Software für die lokale Anwendung zu sein, zu seinem Vorteil werden. Denn insgesamt ist Access ein hoch brauchbares Datenbankbetriebssystem gerade für Bürolösungen. Hier hat man eigentlich alles: Die Daten in der eigenen Hand, sofortige Verfügbarkeit, die Möglichkeit der sofortigen Anpassung. Und: Access lässt sich ja als lokale Windowsanwendung jederzeit an webbasierte Datenbanken anschließen – insofern steht der Vernetzung nichts im Wege!

Der zweite Grund – man könnte es als mangelnde Convenience bezeichnen. Eine mangelnde Bequemlichkeit wenn man so will – dass man sich mit den eigenen Daten auf eine sehr profunde Art und Weise beschäftigen muss, um Access wirklich für sich zu nützen. Auch hier könnte man sagen, dass der „Nachteil“ der Software eigentlich ihr Vorteil ist. Denn, was Access kompliziert macht, ist letztendlich seine Leistungsfähigkeit. Als Schweizer Messer der Datenbanken erfordert es Kenntnisse, dieses Tool zu nutzen, man überlässt diese Kenntnisse damit nicht dem allgegenwärtigen Algorithmus, der als „Experte“ manchmal genauer zu wissen scheint was wir wollen, als wir selbst, nach dem Motto: „Da es alle so machen, wird es auch für dich das Beste sein!“

Diese Convenience ist in Geschäftsfragen oft gefährlicher als man glaubt. Denn gerade die viel gesuchte Einzigartigkeit ist es, die Umsatz bringt. Und – schließlich gilt es in jedem Geschäft, die Geschäftsprozesse wie unter einem Mikroskop zu betrachten und zu optimieren – genau das ist es ja auch, was bei der Programmierung einer Geschäftssoftware geschieht. Eine Abkürzung kann da eine sehr trügerische Bequemlichkeit sein – eine Abkürzung nämlich, die sich als Umweg erweist.

Fazit

Access hat den Vorteil der Universalität auf seiner Seite; man kann in kürzester Zeit ein funktionales Datenmodell erzeugen. Mit etwas Erfahrung lassen sich komplexe Businessanwendungen entwerfen. Die Daten – heutzutage eines der wichtigsten Assets, bleiben dabei in eigener Hand; und somit bleiben die Anwender frei über ihre Daten auch in Zukunft zu bestimmen und diese zu nützen. Das Zeichen der Zeit ist es heute, das eigene Eko-System zu bauen, mit eigenen Technologien, eigenen Prozessen, eigenem Wissen – um so in Zeiten, wenn das Ganze durch übergroße Vernetzung störanfällig wird, handlungsfähig zu bleiben.

Und: Access ist als umfassende und sehr gut anpassbare Lösung immer noch überaus beliebt und überall im Einsatz. Was man als Nachteil sah könnte bald als größter Vorteil angesehen werden.

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